Gesetzliche Vorgaben

Der Gesetzgeber hat Pflichten und Rechtsfolgen für den Umgang mit Trinkwasser vorgegeben. Wir erklären Ihnen die wichtigsten.

Pflichten für Eigentümer und Betreiber nach der neuen Trinkwasserverordnung

Nach der im Dezember 2012 aktualisierten Trinkwasserverordnung müssen Trinkwasser-Installationen regelmäßig auf Legionellen beprobt werden, sofern aus diesen Trinkwasser an die Öffentlichkeit oder im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit (z.B. Vermietung) abgeben wird und eine sogenannte „Großanlage“ zur Trinkwassererwärmung vorhanden ist. Dies betrifft Schulen und Liegenschaften ebenso wie Mietshäuser und Sportstätten.

Eine „Großanlage“ zur Trinkwassererwärmung ist dadurch definiert, dass ein Trinkwassererwärmer mit einem Speichervolumen von > 400 Litern vorhanden ist oder dass Warmwasserleitungen außerhalb der Zirkulation mit mehr als 3 Litern Inhalt zur Wasserentnahmestelle führen. Die Beprobung auf Legionellen muss durch akreditierte Probennehmer durchgeführt werden. Ausgenommen von der Beprobungspflicht sind gegenwärtig noch Warmwassererzeugungsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Für Legionellen ist ein sogenannter technischer Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml einzuhalten. Wird dieser Wert überschritten, so gilt die Hausinstallation als legionellenbelastet. In diesem Fall sind unmittelbar Maßnahmen durchzuführen, um die Legionellen zu beseitigen.

Was passiert bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes?

Werden keine Legionellen festgestellt oder liegt die Legionellenzahl nicht über dem technischen Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml, so muss die nächste Beprobung bei Objekten, die Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit abgeben (z.B. Mietshäuser), erst wieder nach 3 Jahren erfolgen. Es empfiehlt sich jedoch, auch weiterhin aus Gründen des Gesundheitsschutzes eine Beprobung mindestens jährlich durchführen zu lassen.
Wird der technische Maßnahmenwert jedoch überschritten, so hat der Eigentümer bzw. Betreiber:

1.) die Überschreitung dem zuständigen Gesundheitsamt unverzüglich anzuzeigen.

2.) Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen durchzuführen oder durchführen zu lassen (inkl. Ortsbesichtigung).

3.) eine Gefährdungsanalyse zu erstellen oder erstellen zu lassen.

4.)unmittelbar Maßnahmen durchzuführen oder durchführen zu lassen, die zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher erforderlich sind. Hierzu gehört auch der Einsatz einer Chlordioxid-Desinfektionsanlage als Sofortmaßnahme.

5.) das Gesundheitsamt über die ergriffenen Maßnahmen zu unterrichten

6.)die betroffenen Verbraucher über das Ergebnis der Gefährdungsanalyse und über mögliche Einschränkungen bei der Verwendung des Trinkwassers zu informieren.

Die Gefährdungsanalyse kann entweder eigenständig oder durch sachkundige Personen durchgeführt werden. Sie soll mögliche planerische, bau- oder betriebstechnische Mängel der Trinkwasser-Installation aufzeigen. Es gibt hierfür Vordrucke, die aus dem Internet heruntergeladen werden können.

Wichtigsten Punkte DVGW W556

Ziel des Arbeitsblattes:
→ Wiederherstellung eines hygienisch sicheren Betriebs der Trinkwasser-Installation → Grundlage für die Bewertung und Beseitigung von gesundheitlich relevanten mikrobiellen Auffälligkeiten und deren Ursachen sowie den damit im Zusammenhang stehenden betrieblichen und technischen Mängeln in Trinkwasser-Installationen
Mängel/Sanierungsgründe:
- Mikrobielle Mängel (Überschreitung von Grenzwerten für biol. Parameter, Nichteinhalten des technischen Maßnahmenwertes für Legionellen etc.) - Organoleptische/ästhetische Mängel: eingefärbtes Wasser, Biofilmbildung - Technische Mängel - Mängel durch nicht bestimmungsgemäßen Betrieb Bestimmungsgemäßer Betrieb: Betrieb der Trinkwasser-Installation mit regelmäßiger Trinkwasserentnahme, Funktionskontrolle und Wartung der Komponenten unter Einhaltung der Betriebsbedingungen → Wichtig: Eine über einen längeren Zeitraum (7 Tage oder mehr) nicht genutzte Trinkwasser- Installation ist bereits eine nicht bestimmungsgemäß betriebene Trinkwasser-Installation (Anmerkung; das wäre der Idealfall, ist jedoch vollkommen praxisfremd!) → In der Praxis ist ein solcher Betrieb eigentlich nicht möglich. Überall gibt es Wassersysteme, die unregelmäßig genutzt werden, leerstehende Wohnungen, Urlauber etc → Deshalb: Depot mit Chlordioxid aufbauen, schützt den Rest der Trinkwasser-Installation vor Verkeimung
Erweiterte Definition des Begriffes Sanierung
Betriebs- und bautechnische Maßnahmen zur Wiederherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs einer Trinkwasser-Installation nach TrinkwVO2001, wobei Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen auch Bestandteil einer Sanierung sein können
Gefährdungsanalyse
Bei der Gefährdungsanalyse hat der Betreiber Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasser-Installation einzuleiten. Dabei sind sowohl technische Aspekte der Trinkwasser-Installation als auch gesundheitliche Aspekte der Nutzer (z.B. deren Alter, Gesundheitszustand etc) zu berücksichtigen. Vorübergehende chemische Desinfektion des Trinkwassers: Aus Gründen des Gesundheitsschutzes kann es notwendig sein, vor oder während einer technischen Sanierung eine kontinuierliche chemische)Desinfektion des Trinkwassers durchzuführen. Für Desinfektionsanlage und –mittel oder sonstige Inhaber der Trinkwasser- Installation verantwortlich. Ziel einer vorübergehenden/zeitlich begrenzten chemischen Desinfektion ist die Minimierung der Vermehrung von Krankheitserregern bis zu einer möglichen Sanierung. Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels ist, dass dieses auch alle relevanten Bereiche der Trinkwasser-Installation erreicht. Dafür sind ggf. weitere Maßnahmen zur Optimierung des Desinfektionserfolgs durchzuführen: - Hydraulischer Abgleich des Zirkulationssystems - Regelmäßige Wasserentnahme an allen Wasserentnahmestellen, Spülplan - Abtrennung von nicht genutzten Leitungen - ggf. vorherige Reinigung/Grunddesinfektion der Trinkwasserinstallation - Sollte die mikrobielle Belastung nicht durch physikalischen Maßnahmen beseitigt werden können, so kann der Einsatz einer Trinkwasserdesinfektion bis zur vollständigen Sanierung der Trinkwasser-Installation zielführend sein.
Warmwasserbereich:
Insbesondere dort, wo die Warmwassertemperatur nicht den a.a.R.d.T. entspricht und auch nicht auf einfache Weise erhöht werden kann, ist eine chemische Desinfektion sinnvoll.
Kaltwasserbereich:
Insbesondere dort, wo sich das Kaltwasser schnell erwärmt und die mikrobielle Belastung durch regelmäßige Wasserentnahme nicht beseitigt werden kann, ist eine kontinuierliche chemische Desinfektion sinnvoll. Während der Desinfektionsmaßname ist für regelmäßige Wasserentnahme zu sorgen – z.B. über einen Spülplan).
Für die Desinfektion dürfen nur Verfahren und Stoffe eingesetzt werden, die nach $11 TrinkwVO2001 zur Trinkwasserdesinfektion zugelassen sind. Dabei ist Ozon für den Einsatz in Trinkwasser-Installationen nicht geeignet. Bei der Dosierung von Chlor oder Chlordioxid sind die geforderten Mindestkonzentrationen an Chlor oder Chlordioxid einzuhalten (spätestens 30 Sekunden nach dem Öffnen des Wasserhahnes). (Anmerkung: Aufgrund des Minimierungsgebots sollte auf eine Chlorzugabe verzichtet werden)
Bei der mengenproportionalen Dosierung sind ev, Desinfektionsmittelzugaben des Wasserversorgers zu berücksichtigen. Beim Einsatz von Chlordioxid darf nur eine vor Ort hergestellte Chlordioxidlösung eingesetzt werden. Der Gebrauch von fertigen Chlordioxidlösungen ist nicht zulässig. Anlagen zu, Herstellen und Dosieren eines chemischen Desinfektionsmittels müssen den a.a.R.d.T. entsprechen (Anmerkung: dies gilt auch für die messtechnische Überwachung des Desinfektionsmittels im Wasser)
Legionellenschaltung
Bei der periodischen temporären Temperaturerhöhung im Warmwasser (Leginellenschaltung) handelt es sich um keine thermische Desinmfektion und auch nicht um eine Betriebsweise nach den a.a.R.d.T.. Eine solche Schaltung ist nicht zielführend. Sie kann darüber hinaus zur Schädigung der verbauten Werkstoffe führen.